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Auf zu neuen Ufern

12:45 Uhr: Christian versucht sich zu konzentrieren. Die monatlichen Kennzahlen und ihre Entwicklung. Nicht gerade ein spannendes Thema. Aber für einige seiner Kolleginnen und Kollegen sind diese Zahlen fast so wichtig, wie die Bibel. Oder eher noch wichtiger. Christian bezweifelt, dass irgendeiner der Anwesenden die Zehn Gebote auswendig aufsagen kann. Aber die Kennzahlen der letzten sechs Monate können sie wahrscheinlich im Schlaf. Und bitte. Da wirft sich auch schon der Schuster in Positur und verkündet, dass man den Rückgang der Vermittlungsquote um 0,8% im Vergleich zum Vormonat genau im Auge behalten sollte. Schließlich sei da ein Trend zu erkennen. Christian wirft ein, dass sie Anfang November hätten und es um diese Jahreszeit immer einen Rückgang gäbe. Schuster starrt ihn aus zusammengekniffenen Augen an. Nur weil etwas schon immer so gewesen sei, müsse man das ja nicht unbedingt einfach so hinnehmen. Oder ob er das anders sehe? Nein, natürlich nicht. Christian murmelt noch ein paar zustimmende Worte und beugt sich über seine Unterlagen.

Obwohl Christian keinen Sinn in der Besprechung und in der anschließenden Diskussion sieht, scheut er die Konfrontation. Lieber verschanzt er sich hinter seinen Unterlagen, als den Kollegen Schuster in seine Schranken zu verweisen. Überlegen Sie mal, haben Sie jemanden im Kollegen- oder Freundeskreis, bei dem Sie schon Kopfschmerzen bekommen, wenn er oder sie nur den Mund aufmacht? Oder ein Familienmitglied, das ständig etwas von Ihnen will? Zeit, Aufmerksamkeit, Geld? Und was ist mit dem Teil des Lebens, der einen erheblichen Teil Ihrer wachen Zeit beansprucht, Ihrer Arbeit? Lieben Sie Ihren Beruf? Sind Sie zufrieden, wenn Sie heimkommen? Haben Sie das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten?

Wenn Sie nur eine der letzten drei Fragen mit Nein beantwortet haben, dann ist es dringend an der Zeit, Ihre Höhle zu verlassen. Denn auch Ihre tägliche Erwerbsarbeit ist nur eine weitere Komfortzone. Sie gehen zur Arbeit, selbst wenn Sie mit einem schlechten Gefühl dorthin gehen. Denn die Alternative macht Ihnen Angst. Schließlich kennen Sie diese noch nicht. Egal, ob es sich dabei um einen neuen Job, den Sprung in die Selbstständigkeit oder eine Zeit der Familienarbeit handelt, erst einmal ist alles fremd und unbekannt. Und überhaupt, wenn Sie den Job einfach aufgeben, wie sollen Sie dann die Miete zahlen? Diese Fragen und Ängste sind zwar berechtigt, aber mal ehrlich: wollen Sie die nächsten 30 Jahre genau das weitermachen, was Sie heute machen? Eben.

Der erste wichtige Schritt ist schon einmal geschafft: Sie denken über sich und Ihr Leben nach und stellen wahrscheinlich fest, dass Sie nicht so zufrieden sind, wie Sie gerne wären. Vielleicht hätten Sie gerne mehr Zeit, mehr Geld, mehr Freunde und mehr Sex sowieso. Die Frage ist also: Was ist Ihnen am wichtigsten? Was macht Sie glücklich und zufrieden?

Was brauchen Sie, um ein „gutes Leben“ zu führen? Ein Leben also, dass Sie erfüllt und dankbar macht? Manch einer glaubt, ein gutes Leben sei nur mit viel Geld zu führen, ein anderer braucht das zurückgezogene Leben in der Einsamkeit. Noch ein anderer findet seine Erfüllung in einer stabilen Partnerschaft. Und was ist mit Ihnen?

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