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New York, New York – und ich flieg, flieg, flieg wie ein Flieger

Ich war noch niemals in New York.

Wovon Udo Jürgens sehnsuchtsvoll singt, war auch für meinen Mann und mich lange Realität. Aus dem einen oder anderen Grund hatten wir beide es noch nicht in den Big Apple geschafft. Nun begab es sich aber, dass der beste Mann der Welt in diesem Jahr einen runden Geburtstag feiern sollte. Also bereitete ich alles still und heimlich für eine Geburtstagsüberraschung vor. Ich buchte die Flüge, organisierte eine Unterkunft über Airbnb, stellte sicher, dass die Kinder für eine Woche gut versorgt waren und stellte den Mann meines Lebens vor vollendete Tatsachen. Koffer packen, Ausweis mitnehmen und rein ins Flugzeug.

Gut. Ganz so einfach war das alles dann natürlich auch nicht, aber im Sinne eines guten Erzählflusses, wollen wir es hier einmal dabei belassen. Die Probleme fingen dann schon im Flugzeug an. Ich hasse fliegen. Ich würde es noch nicht ganz als Flugangst bezeichnen, aber viel fehlt auch nicht mehr. Wenn ich anfangen sollte zu erzählen,was ich am fliegen nicht mag, wäre es leichter, mich zu fragen, was denn gut daran ist. Diese Liste ist definitiv kürzer. Also, zunächst das Gute: Fliegen verkürzt die Reisezeit immens.

Nun das Schlechte: Alles andere.

Es ist laut. Es ist eng. Man ist mit vielen fremden Menschen auf engem Raum eingesperrt und hat keine Möglichkeit zu fliehen. Man kann nicht einmal das Fenster aufmachen, wenn jemand unangenehm riecht. Und nach neun Stunden Flug riechen die meisten unangenehm und sehen auch genau so aus. Die Sitze sind unbequem. Daran ändert auch ein Lufthansa Flug nichts. Holzklasse bleibt Holzklasse. Und nein: Auch Business-Class würde an meiner Einstellung nichts Wesentliches ändern. Laut und einsperrend bleibt es trotzdem. Auch die Geräuschkulisse trägt nicht unbedingt zur Entspannung bei. Sobald es im Flieger etwas leiser wird, kann man getrost davon ausgehen, dass einem gerade die Ohren zugefallen sind. Einmal kurz Gähnen und das gleiche monotone Brummen ertönt wieder in gewohnter Lautstärke. Dabei ist Brummen und Summen noch die beste Variante. Sobald Quietschen, Knarzen und Scheppern dazu kommen und die Flugbegleiter ein leicht panisches Lächeln aufsetzen, ist definitiv Panik angesagt. Da hilft es auch nicht, wenn man sich zuvor noch einmal alle Staffeln von Lost angeschaut hat.

Das allerschlimmste in meinen Augen – neben der Tatsache, dass der sichere Tod auf einen wartet, wenn ein Mechaniker mal einen schlechten Tag hatte, ist der Umstand, dass man ab dem Durchqueren der Sicherheitsschleuse am Abflugflughafen bis zum Verlassen derselben am Ankunftsort, kein einziges Frischluftmolekül zu Gesicht, geschweige denn in die Lunge bekommt. Fenster und Türen werden hermetisch abgeschlossen und der notwendige Sauerstoff maschinell über Pumpen zugeführt. Mit frischer Luft atmen hat das Ganze aber herzlich wenig zu tun. Deswegen ist meine erste Tat nach Verlassen eines Flughafens auch immer: einmal tiiieeef Luft holen. Und dann rauch ich eine.

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