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Voll das Leben Beiträge

Kempten – zwischen Innovation und Tradition

Im Herzen des Allgäus, nur einen Steinwurf von den schönsten deutschen Wander- und Skigebieten entfernt, liegt Kempten. Die kreisfreie Stadt mit seinen knapp 67.000 Einwohnern (Stand November 2015), kann sich auf eine lange Tradition berufen. Obgleich es keine amtlich dokumentierte Bestätigung dafür gibt, wird Kempten oft auch als die „älteste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Zwar beanspruchen auch andere Städte wie Trier, Neuss, Worms oder Augsburg diesen Titel für sich, geht es jedoch nach den Kemptenern, dann ist die Sache ganz klar: „Wenn die Römer über die Alpen gekommen sind, warum sollten sie dann erst noch weiter nach Worms ziehen, um eine Stadt zu bauen? Außerdem ist es hier doch sowieso viel schöner.“

Bei einem Blick auf die Altstadt, mit den Resten der mittelalterlichen

Orangerie Kempten

Stadtmauer oder bei einer kurzen Atempause in der Orangerie, ist man geneigt, dieser Einschätzung zu glauben. Obwohl es in der „Metropole des Allgäus“ geschäftig zugeht, finden sich an beinahe jeder Ecke idyllische Oasen, die zum Verweilen, Staunen oder einfach nur zu einem kurzen Plausch einladen. „Hoigarten“ nennt das der Allgäuer. Gemeint ist damit zum einen ein Ort, an dem sich die Leute zum geselligen Beisammensein treffen. Zum anderen aber auch die Tätigkeit an sich. Dabei werden die Allgäuer natürlich niemals boshaft. Manch einem Außenstehenden mag die ruppige und raue Art der Allgäuer zwar an das Geknurre einer Hundemeute erinnern, doch in der Regel gilt auch hier: Hunde, die knurren, beißen nicht. Im Gegenteil. Unter der manchmal harten Schale verbirgt sich meistens ein herzlicher und hilfsbereiter Kern. Zu sehen und zu spüren ist das überall in Kempten. 

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Warm, Wärmer, Wärmebild

Meine Küche war mal ein gemütlicher Ort. Wir sind sowieso alle Küchenmenschen und halten uns am liebsten in der Küche auf. Hier findet (fast) unser ganzes Familienleben statt. Zwischen Kochtöpfen, Geschirr und Kaffeemaschine wird gekocht, gelacht und diskutiert.

Sogar einen Schwedenofen haben wir uns im Schweiße unseres Angesichts reingestellt. Das war mal eine Aktion. Der Kamin war zwar da, aber kein Anschluss. Also musste erstmal ein Loch in den Kamin gestemmt werden, der Anschluss reingebastelt und dann haben wir die Daumen gedrückt, dass der Schornsteinfeger uns das Ganze auch abnimmt. Hat er. Problemlos. Hat sogar unseren Kaminanschluss gelobt. Es folgten lange und gemütliche Abende mit Rotwein, gutem Essen, guten Freunden und einem gemütlich prasselnden Feuer im Kamin.

Und dann kam Krümel. Unser Krümel ist jetzt 13 Monate alt und hat vor zwei Monaten angefangen zu laufen. Mit sieben Monaten ist er gekrabbelt und hat sich weitere zwei Monate später an allem und jedem hoch gezogen. Also wurde die Wohnung kindersicher gemacht und der Schwedenofen stillgelegt. Ich weiß, ich weiß, es gibt Kamingitter. Diese können wahlweise dazu benutzt werden den Ofen ein- und die die Kinder auszusperren oder einen großen Laufstall für die Kleinen zu basteln. Das Problem mit dem Gitter ist nur: wir könnten das schon um den Ofen rum bauen. Nur könnten wir uns dann nicht mehr bewegen. Der Sicherheitsabstand würde nämlich ziemlich genau an unseren Küchenstühlen enden. Somit müssten wir entweder lernen zu fliegen oder einen Hindernislauf auf dem Weg zur Kaffeemaschine hinlegen.

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Und ewig läuft die Schnupfennase

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Babys ständig erkältet sind. Kaum ist der eine Schnupfen verschwunden, schon lauert der Nächste hinter der Ecke. Ist ja auch kein Wunder, die stopfen ja auch alles in den Mund. Oh…da liegt ein Blatt auf dem Boden! Mal probieren, ob das anders schmeckt, als der Kieselstein, den ich vorhin hatte. Und da liegt ein gebrauchtes Tempo. Toooooll! Mal schauen, ob ich das noch auslutschen kann.

Kinder sind super. Kinder sind toll. Aber wenn die nicht alles immer in den Mund stecken würden, wären sie auch nur halb so oft krank. Apropos in den Mund stecken. Das hört ja bei Blättern, Kieselsteinen und Regenwürmern noch lange nicht auf. Von ihren Mitmenschen und Mitkindern mal gar nicht zu sprechen. „Du schaust nett aus, du schmeckst bestimmt auch gut“. Uuuuund Schleck, Schmatz, Schlürf, wird Jessica-Chantall nach Herzenslust abgeknutscht und abgeleckt. Und das Ganze wird auch noch pädagogisch und gesellschaftlich toleriert. Ist halt die orale Phase. Der muss alles mit seinem Mund erfühlen, um die Welt mit allen Sinnen zu begreifen. Bloß nicht schimpfen, das behindert ihn bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit….

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Freiheit – zum Zweiten

Während ich das hier schreibe, läuft im Hintergrund Bayern 2 mit aktuellen Berichten zu einem Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin. 12 Menschen mussten in dieser Nacht ihr Leben lassen. Dutzende sind schwer verletzt, traumatisiert oder auf andere Art und Weise versehrt worden.

Es erscheint mir wie ein makabres Dejavu…Erst vor ein paar Monaten haben wir entsetzt nach Nizza geblickt. Als auch hier ein LKW in eine friedlich feiernde Menschenmenge gerast ist.

Gerhard Lahr – Berlyn East Side Gallery Berlin

Heute jedoch trifft es uns selbst. Mitten in Berlin, die Stadt, die spätestens seit der Wende vielleicht mehr als jede andere den Geist von Freiheit verströmt.

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Freiheit – zum Ersten

Während ich diese Zeilen hier schreibe, läuft im Hintergrund N24 mit aktuellen Berichten zu einem erneuten Terroranschlag in Frankreich. In Nizza ist ein LKW während eines Feuerwerks anlässlich des Französischen Nationalfeiertages in eine Menschenmenge gerast.

Mehr als 80 Menschen sind zu Tode gekommen, über 100 Menschen zum Teil schwer verletzt. Darunter mindestens 10 Kinder. Eine Lehrerin und zwei Schülerinnen aus Berlin, die in Nizza zur Abschlussfahrt anläßlich des bestandenen Abiturs waren, gehören ebenfalls zu den Opfern. Als ich die Nachricht heute früh auf dem Ticker gelesen habe, war mein erster Gedanke: schon wieder. Und als zweites: hört das denn nie auf. Dennoch konnte ich das Ausmaß nicht wirklich begreifen. Wie sollte es auch sein? Das menschliche Hirn ist darauf programmiert, bei Sachen, die zu entsetzlich sind, um von uns verarbeitet zu werden, einfach abzuschalten. Das Unfassbare ausblenden und im Autopilot weiter machen. Doch dann habe ich ein Video auf Youtube gesehen. Eine Menschenmenge an einem Sommerabend.

Wir haben es in der Hand…

Männer in kurzen Hosen, Frauen in leichten Sommerkleidern. Gelächter und Musik liegt in der Luft. Kinder, die an den Händen ihrer Eltern durch die fröhliche Menschenmasse hüpfen, geborgen und sicher. Ein Mann, der ein kleines Kind auf seinen Schultern trägt, läuft durch das Bild. Eine Sekunde später rast der LKW in die Menschen hinein. Gräbt sich unbarmherzig eine Schneise. Hinterlässt Tod und Verwüstung. Wer kann sowas begreifen?

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