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Freiheit – zum Zweiten

Während ich das hier schreibe, läuft im Hintergrund Bayern 2 mit aktuellen Berichten zu einem Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin. 12 Menschen mussten in dieser Nacht ihr Leben lassen. Dutzende sind schwer verletzt, traumatisiert oder auf andere Art und Weise versehrt worden.

Es erscheint mir wie ein makabres Dejavu…Erst vor ein paar Monaten haben wir entsetzt nach Nizza geblickt. Als auch hier ein LKW in eine friedlich feiernde Menschenmenge gerast ist.

Gerhard Lahr – Berlyn East Side Gallery Berlin

Heute jedoch trifft es uns selbst. Mitten in Berlin, die Stadt, die spätestens seit der Wende vielleicht mehr als jede andere den Geist von Freiheit verströmt.

Ersetzt und fassungslos schauen wir auf die Ereignisse. Fragen besorgt, ob unsere Nachbarn, Freunde, unsere Familie unter den Opfern zu finden sind. Sind erleichtert, wenn es keinen getroffen hat, den wir lieben – für diesmal. Die Gefahr rückt spürbar näher. Und schon stürzen sich die Populisten auf diesen Anschlag. Machen sich das Entsetzen und die Angst zu eigen. Schüren die Angst und den Hass. Noch bevor endgültig geklärt war, ob es überhaupt ein Anschlag oder vielleicht doch ein entsetzlicher Unfall war, und noch bevor die Nationalität des Fahrers feststand, wurden erste Rufe nach einer härteren Einwanderungspolitik laut. „Abschieben. Los werden. Weg mit Ihnen.“ Immer lauter und immer hässlicher wurden die Rufe vor allem aus einem Lager. Das Lager, das sich ohne jede Berechtigung und mit blanker Ironie als „Alternative“ bezeichnet.

Alternative für was? Als Kontrapunkt für Merkels „Alternativlosigkeit“? Wer seine einzige Berechtigung in der Negativierung des Vorhandenen sieht, hat keine Berechtigung. Die „Via Negativa“ zu beschreiten, mag im Geschäftsleben funktionieren und sogar ein goldener Weg sein
(großartig beschrieben von Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns ) in der Politik und im Umgang mit Menschen hat sie jedoch keine Berechtigung. Die „Via Negativa“ bezeichnet den negativen Weg. Also Verzichten, Weglassen und Reduzieren. Was aber sollte das in der Politik oder in diesem Fall, als Alternative bedeuten? Was soll man weglassen? Das Grundgesetz? Die soziale Marktwirtschaft? Die Demokratie? Dies alles sind Werte, die alle Parteien in Deutschland, gleich welcher Ausrichtung, vereinen. Wer behauptet, eine Alternative zu sein, stellt damit gleichfalls all diese Werte in Frage. Und wer sich die Mühe macht, das Grundsatzprogramm dieses Gegenentwurfs zu lesen, der sieht sich leider bestätigt.

Es braucht keine Alternative. Das einzige, was es wirklich braucht, ist die Rückbesinnung und die Bewahrung all unserer gemeinsamen Werte. Das Grundgesetz ist auf die Bewahrung der Menschenwürde, auf Solidarität und auf Freiheit aufgebaut. Ob in Berlin oder wo anders. Wir sind freie Menschen der einen Welt.

Und deswegen glaube ich fest an die Worte Kennedys (1963):

„Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt (West-) Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.“

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