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Das kleine Glück

Kürzlich war ich mit meiner Familie beim „Nach-Weihnachts-shopping“. Wir standen in der Elektronik- und Spielwarenabteilung einer großen deutschen Drogeriekette und waren auf der Suche nach nichts Bestimmtem. Um uns herum wuselten kleine Kinder mit leuchtenden Augen zwischen den prall gefüllten Spielwarenregalen herum, die Mütter der wuselnden Kinder versuchten diese dazu zu bewegen, ihre Weihnachtsgutscheine doch lieber in ökologisch sinnvolle Holzpuzzle zu investieren, anstatt in laute und knatternde (aber dafür umso spannendere) Rennautos zu stecken. Inmitten all dieses Trubels versammelten sich einige Teenager mit Kopfhören auf den Ohren, um sich durch verschiedene Grunzlaute und Gesten darauf zu verständigen, welches Konsolenspiel denn nun heute Abend gezockt werden und wer dafür seinen Weihnachtsgutschein opfern sollte. Wenn es eine Spezies gibt, die dazu in der Lage ist, ihre Wünsche und Bedürfnisse nur durch Grunzen, Schulterzucken und Mundwinkel verziehen auszudrücken, dann sind es Teenager. Fragen Sie wahllos irgendein Elternteil eines solchen und sie werden es Ihnen mit Freuden bestätigen. Sie kennen kein Paar mit Kindern im Teenageralter? Kein Problem. Gehen Sie einfach in den nächsten Elektronikmarkt oder Handyladen oder einfach irgendwohin, wo es Gutscheine für Steam oder Spotify gibt, beobachten Sie einen der herumlungernden Teenager (da lungern immer welche rum), warten Sie, bis er oder sie eine Entscheidung getroffen hat und sprechen dann den Erwachsenen an, der an der Kasse den Geldbeutel zückt. DAS ist ein Teenager-Elternteil. Oft auch am leidenden oder resignierten Gesichtsausdruck zu erkennen.

Aber ich schweife ab. Inmitten all dieser prall gefüllten Glitzerwelt, die zu allem Überfluss noch immer mit Weihnachtsliedern beschallt wurde, wurde mir mit einem Mal eines klar: Das hier ist alles überflüssig. Diese ganze Etage war vollgestopft mit Dingen, die kein Mensch zum Leben braucht. Würde es all diese DVDs, CDs (die eh fast keiner mehr kauft, seitdem man alles immer und jederzeit streamen kann), Modellautos, Plüschtiere und unnatürlich geformte Plastikpuppen nicht mehr geben, dann wäre die Menschheit trotzdem in der Lage, ein zufriedenes und erfülltes Leben zu führen.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: meine Kinder haben auch Spielsachen (zu viele), Plüschtiere (noch mehr), Zugriff auf das Internet (zu oft) und zocken Konsolenspiele (fördert wenigstens die Auge-Hand-Koordination). Aber die Frage, die sich mir in diesem Moment aufdrängte war: braucht es das alles, um glücklich zu sein?

Und wenn ich mich so umsehe, in der Welt, in unserer Gesellschaft, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, dann glaube ich, dass die Antwort so einfach, wie einschneidend ist: Nein. Nein, wir brauchen das alles nicht.

Das wahre Glück und die echte Zufriedenheit entstehen im Augenblick. Ein gemeinsames Lachen, gleichzeitig und von Herzen. Ein Abend mit guten Freunden bei gutem Essen und in selbstzufriedener Zeitvergessenheit. Der Blick auf den Menschen, mit dem man alt werden möchte und zu wissen, dass man liebt und wieder geliebt wird. Echte Anteilnahme, ein Lächeln, ein Blick. Wahrnehmen und Hinschauen. Eine Hand reichen und Wärme spüren. Zeit statt Zeug schenken. Das ist Glück.

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