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Management meets parenting

Wer sich heute dazu entschließt Kinder in die Welt zu setzen, der geht das Ganze als großangelegtes Projekt an. Management meets Parenting – ich frage mich, ob es dazu schon Workshops gibt…Wenn nicht, ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Einfach so schwanger werden? Wie kann man nur…Als erstes wird ein perfekter Befruchtungszeitpunkt definiert. Mond und Sterne und mögliches Geburtsdatum errechnet, um anschließend der Schwangeren in spe eine rundum Optimierung angedeihen zu lassen. Ein ausgeklügelter Ernährungsplan, mit zusätzlichen Vitamingaben gehört dabei genauso zum Programm wie vorsorgliches Beckenbodentraining und autogenes Training, um Körper und Geist möglichst befruchtungsfreundlich werden zu lassen. Der perfekte Brutkasten sozusagen. Wenn der Nährboden dann also optimal vorbereitet ist, dann geht es in medias res. Klamotten runter und ran an die Eizelle. Aber möglichst nur zum optimalen Zeitpunkt. Also erst dann, wenn Temperaturkurve, Zervixschleim und ein großer Smiley signalisieren: „Es geht loohhoos.“

Und natürlich kommt der Spaß dabei auch nicht zu kurz. Der Mann muss und die Frau soll zur geplanten Befruchtung ja auch kommen. Aber nicht zu früh und nicht zu spät. Und die Frau überhaupt erst, nachdem das Sperma schon übergeben wurde. Ein Orgasmus soll ja bei der Befruchtung helfen. Wer da nicht in extatische Verzückung gerät, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Und danach: Popo in die Luft, entspannen und positive Energie verströmen. Ein Schlückchen „Kindlein komm“ Tee hinterher und eine Aura der Fruchtbarkeit verbreiten. Da muss es doch einfach klappen mit dem schwanger werden! Und wehe, wenn nicht! Da sind die durchgeplanten Akademiker-Eltern die ihr Leben nach Check-Listen, To-do-Apps und Fitnessarmbändern ausrichten erst einmal sprachlos. Wie kann es dieses Kind nur wagen, nicht wie geplant auf der Bildfläche zu erscheinen? Jetzt muss die ganze Planung geändert werden. Die gemeinsame Elternzeit war doch schon für eine kleine Weltreise verplant und jetzt soll das ganze verschoben werden? Da muss man aber nochmal an der Optimierungsstellschraube drehen!

Und dann wird weiter geübt. Sex nach Zeitplan und nur noch in optimaler Temperatur und Stellung, solange bis es endlich klappt. Bereits mit der Befruchtung wird das Kind dann in der nächstgelegenen internationalen Kinderkrippe angemeldet. Hier soll der hoffnungsvolle Nachwuchs dann nicht nur Englisch, Französisch und Japanisch lernen, sondern auch wichtige Kontakte fürs Leben knüpfen. Baby-Networking nennt man das heute. Noch vor dem ersten Ultraschall ist das Baby, obwohl noch nicht einmal geboren, bereits bis ins Studium hinein verplant. Angetrieben vom eigenen Perfektionismus verlieren sich die werdenden Eltern dabei in dem Versuch einem Ideal zu entsprechen, dass sie selbst wahrscheinlich noch nicht einmal definieren können. Wenn aus zwei Menschen Eltern werden, dann braucht es weder einen Plan, noch ein Ziel, noch den Versuch irgendeinem Rollenverständnis gerecht zu werden. Das einzige, was wirklich zählt ist ein aufrichtiges und von Herzen kommendes „Ja“ zu diesem neuen Leben. Ja, wir lieben dich. Ja, wir freuen uns auf dich. Ja, wir werden Fehler machen. Aber wir machen diese Fehler, um daraus zu lernen und um besser für dich da sein zu können. Ja, wir werden dich beschützen und lieben, solange wir atmen. Als eine Freundin von mir vor einiger Zeit Mama wurde, hat sie ihren Sohn mit diesen Worten begrüßt:

„Wenn Leben aus dem Nichts entsteht; ein neuer Mensch auf Erden geht, sprachlos macht uns diese Kraft, die uns ein neues Leben schafft, die uns ein kleines „DU“ geschenkt und unsern Blick nach innen lenkt.“

Und das ist das Einzige, das zählt.

 

Ein Kommentar

  1. Inez Dworsky Inez Dworsky

    …..und dieses kleine DU lenkt unseren Blick nicht nur nach innen , sondern unsere Augen werden wieder für all die kleinen und doch so großen Wunder dieser Welt geöffnet ……wir müssen uns nur darauf einlassen.
    Mama

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